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Europawahl 2019: Unsere Voten

Auf unserem Landesparteitag am 23. September haben wir quotierte Voten zur Europaliste vergeben: ein Votum erhielt Anna Leidreiter aus dem Kreis Segeberg, das zweite Votum ging an den Landtagsabgeordneten Rasmus Andresen aus Flensburg. Gewählt wird die Liste zur Europawahl auf dem Grünen Bundesparteitag im November: An dieser Stelle habt ihr die Gelegenheit, unsere beiden Kandidat*innen besser kennenzulernen.


Anna Leidreiter


Anna Leidreiter ist 32 Jahre alt. Seit diesem Sommer lebt sie mit ihrer Familie in Norderstedt, vorher war sie in Hamburg und Brüssel zu Hause. Mit ihrer Arbeit als Kampaignerin beim World Future Council hat sie mit Politiker*innen auf der ganzen Welt daran gearbeitet, Gesetzgebungen für 100% Erneuerbare Energien und Klimaschutz zu verbessern.

Was bewegt dich dazu, zu kandidieren?
Ich übernehme lieber selbst Verantwortung für die Zukunft, als anderen die Schuld für die Gegenwart zu geben. Dieses Motto, gekoppelt mit der Überzeugung, dass eine andere Politik möglich ist, bewegt mich dazu, bei der anstehenden Europawahl zu kandidieren.
In meiner bisherigen Arbeit ist mir bewusst geworden, dass es für viele unserer Baustellen bereits Lösungen gibt, wir aber Menschen in unseren Parlamenten brauchen, die bereit sind, für diese zu streiten. Als ich hörte, dass mit Claude Turmes und Rebecca Harms zwei wichtige Energiepolitiker*innen in Brüssel aufhören, war mir klar, dass ich zumindest versuchen muss, diese Lücke mit zu füllen.

Was sind deine 5 Punkte für Europa?
Viele unserer Baustellen in Europa entscheiden sich an der Energiepolitik. Energie ist historisch betrachtet ein strategisch wichtiger Politikbereich von Nationalregierungen. Die Kontrolle von Energiequellen und -systemen war und ist ein Symbol der politischen Stärke im geopolitischen Machtgefüge und elementares Mittel für zentrale politische Ziele wie die Versorgungssicherheit und Wettbewerbsfähigkeit. Energiepolitik ist daher unmittelbar verbunden mit Klimaschutz, Frieden, Demokratie und Wettbewerbsfähigkeit. Ich möchte mich daher als Europaabgeordnete für eine auf Solidarität, Demokratie, Integration und Subsidiarität ausgerichtete Energiepolitik einsetzen. Konkret bedeutet das:

  1. Das Ziel 100% effiziente, erneuerbare Energien im Strom-, Wärme- und Transportsektor politisch zu verankern.
  2. Eine Industriepolitik zu etablieren, die den Aufbau dieser Vollversorgung durch Erneuerbare Energien zu einem Motor für wirtschaftliche Entwicklung macht, besonders in heutige Bergbauregionen und im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit,
  3. Kommunen und Regionen als handlungsfähigen Akteur bei der Umsetzung der Energiewende zu stärken und auch grenzüberschreitend nachhaltige Energieinfrastruktur aufzubauen.
  4. den Energiemarkt zu demokratisieren und Bürgerenergie zu fördern.
  5. Eine europäische Außen- und Entwicklungspolitik zu etablieren, die auf 100% Erneuerbaren Energien basiert und damit friedliche Partnerschaften zwischen Nationen fördert.

Wann hast du Europa zum ersten Mal bewusst erlebt?
Ich gehöre zu der Generation, die in einem Europa der offenen Grenzen groß geworden ist. Ich erinnere mich gut, wie wir plötzlich auf dem Weg in den Familienurlaub keine Pässe mehr zeigen und dann irgendwann auch kein Geld mehr tauschen mussten. Doch richtig bewusst ist mir Europa geworden, als ich mein Masterstudium in Amsterdam absolviert habe und merkte, wie viele Vorteile ich als Europäerin den anderen internationalen Studenten gegenüber habe.

Was glaubst du: Wie kannst du Europa verändern?
Meine Tochter ist gerade 6 Monate alt und ich möchte alles in meiner Macht stehende tun, damit sie auch in einem vereinten, friedlichen und vielfältigen Europa aufwächst. Hierfür möchte ich Allianzen über Partei- und Nationalgrenzen hinweg bilden.

Wo siehst du Europa in 10 Jahren?
In 10 Jahren wird Europa stärker zusammengewachsen sein. Wir werden aus über 80% Erneuerbaren Energien versorgt werden, die zum Teil von EuropäerInnen selbst produziert werden. Europa wird die globale Friedensmacht sein und Menschen in seinen Partnerländer im Globalen Süden durch den Aufbau von Erneuerbaren Energien lebenswerte Bedingungen und Jobs ermöglichen. Wir haben den Klimawandel in den Griff bekommen und unsere Emissionen verglichen mit 1990 um 60% reduziert. Dies haben wir geschafft, weil wir in einer Shared Economy leben.

Ich bin Europäer*in, weil…
ich die Vielfalt für mein eigenes Leben bereichernd finde!

Europa kann mehr…
Zusammenhalt.

Der Brexit ist…
wachrüttelnd.

Europa lebt von…
seinen Bürger*nnen.

Das Beste an Europa ist…
seine Vielfalt.

Europa muss dringend an seinem gemeinsamen Fundament arbeiten.

Das Europäische Parlament ist…
Hoffnung auf mehr Demokratie.

Europa gibt mir…
Zuversicht.

Europa ist für die Welt…
ein sicherer Hafen.

Rasmus Andresen


Rasmus Andresen ist 32 Jahre alt und lebt überwiegend in Flensburg, oft aber auch in Zügen. Er ist seit 2009 Grüner Landtagsabgeordneter und hat vorher einige Jahre in Dänemark gelebt, studiert und gearbeitet.

Was bewegt dich dazu, zu kandidieren?
Ich bin in der dänischen Minderheit in Flensburg grenzüberschreitend groß geworden. ich bin bi-national und zweisprachig aufgewachsen. Von Europa habe ich persönlich sehr profitiert. Vieles von dem, was für mich selbstverständlich war, droht von extrem Rechten zerstört zu werden. Ich kann nicht mehr zusehen, während Nationalist*innen in vielen Staaten Europa abwickeln wollen. Gerade wir Schleswig-Holsteiner*innen leben Europa und Weltoffenheit. Wir brauchen starke Stimmen für ein sozialeres, weltoffenes und ökologisches Europa. Deshalb kandidiere ich.

Was sind deine 5 Punkte für Europa?
Ich möchte im Europaparlament Haushalts- und Digitalpolitik machen. Über das EU Budget entscheidet sich, wofür die EU Geld ausgeben soll. Nur wer sich mit Zahlen beschäftigt, kann politisch gestalten. In der Digitalpolitik entscheidet sich die Zukunft unserer europäischen Demokratie. Nur wenn wir uns von der Abhängigkeit der großen Digitalkonzerne lösen, werden wir eine selbstbestimmte Digitalpolitik machen können, von der alle profitieren.

Meine konkreten Ziele:

  1. Eine klimagerechte und ökologische EU. Kein EU-Geld mehr für Atomkraft und Kohle – mehr für ökologische Landwirtschaft und Naturschutz.
  2. Eine europäische Arbeitslosenversicherung und EU-Programme zur Armutsbekämpfung für ganz Europa.
  3. Mehr Unterstützung für NGOs und Kommunen, die sich um Geflüchtete kümmern oder vor Ort Klimaschutz betreiben.
  4. Eine selbstbestimmte europäische Digitalpolitik, die Facebook, Amazon & Co in die Schranken weist (bspw. durch faire Steuersätze, starken Datenschutz, wirksames Kartellrecht und der Pflicht, plattformübergreifende Kommunikation zuzulassen) und europäischen StartUps und Hochschulen bessere Chancen gibt.
  5. Eine aktive Minderheitenpolitik, die Minderheitenrechte schützt und bei Diskriminierung nicht wegschaut.

Wann hast du Europa zum ersten Mal bewusst erlebt?
Im dänischen Kindergarten in Flensburg: Als Kind der dänischen Minderheit wird einem schnell bewusst, dass es mehr als nur Nationalstaaten gibt.

Was glaubst du: Wie kannst du Europa verändern?
Um Europa sozialer und ökologischer zu machen, brauchen wir starke Abgeordnete im europäischen Parlament und eine aktive Zivilgesellschaft. Ich habe in den letzten Jahren im schleswig-holsteinischen Landtag und der Flensburger Ratsversammlung gelernt, wie man politische Ideen in konkrete Politik gießen kann. Diese Erfahrung möchte ich in Brüssel einbringen. Wir brauchen eine enge Vernetzung zwischen NGOs und Aktivist*innen mit den Europaabgeordneten. Ich kenne Schleswig-Holstein gut und möchte gerne eine Stimme für unsere Region in Brüssel sein.

Wo siehst du Europa in 10 Jahren?
Wenn wir gemeinsam kämpfen und für Europa begeistern, wird die EU in 10 Jahren stärker sein als jetzt. Die EU muss wieder ein Ort werden, wo Menschenrechte Ernst genommen, der Klimawandel gestoppt und der soziale Zusammenhalt gestärkt werden. Ich wünsche mir ein föderales Europa, in dem die EU den Rahmen setzt und die Regionen gestärkt werden. Ich bin überzeugt davon, dass wir es gemeinsam schaffen können nationale Abschottung zu überwinden um gemeinsam unsere Zukunft zu gestalten.

Ich bin Europäer*in, weil…
ich daran glaube, dass wir gemeinsam unsere Zukunft besser gestalten können, als wenn man nur “im eigenen Saft schmort”.

Europa kann mehr…
Hoffnung geben.

Der Brexit ist…
ein Weckruf.

Europa lebt von…
Vielfalt.

Das Beste an Europa ist…
die Reisefreiheit.

Europa muss dringend an dem sozialen Zusammenhalt arbeiten.

Das Europäische Parlament ist…
die Herzkammer der europäischen Demokratie und muss gestärkt werden.

Europa gibt mir…
neue Perspektiven

Europa ist für die Welt…
ein Ort, der Standards für Klimaschutz, bei der Digtalisierung und in sozialen Fragen setzen kann.