Wir GRÜNE haben heute die bisher schon mehr als 5.000 Unterschriften für eine gebührenfreie Pflanzung von Seegras in der Ostsee an das Bundesministerium für Verkehr sowie die zuständige Wasser- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes übersandt. In dem Appell rufen die Unterzeichner*innen die Bundesregierung und ihre Verwaltung auf, die ehrenamtlichen Seegras-Pflanzungen in der Ostsee schnellstmöglich wieder zu ermöglichen. Dafür sollen diese als Renaturierungsmaßnahmen und nicht als vermeintliche Nutzung des Meeresbodens anerkannt und von den Gebühren zur Nutzung des Meeresbodens befreit werden.
Dazu sagt Lydia Rudow, Landesvorsitzende von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Schleswig-Holstein:
„Innerhalb von nur einer Woche haben mehr als 5.000 Menschen unseren Appell für gebührenfreie Seegras-Pflanzungen unterzeichnet. Dass so schnell so viele Menschen unterschrieben haben, zeigt, wie groß das Unverständnis für die Politik des Bundesverkehrsministerium in dieser Angelegenheit ist.
Seegras hat viele wichtige Funktionen: Seegraswiesen sind einer der artenreichsten Lebensräume unserer Meere. Sie schützen unsere Küsten, indem sie die Wellenenergie vermindern und das Sediment stabilisieren. Seegras verbessert die Wasserqualität und verringert die Anzahl von Keimen. Und Seegras ist ein natürlicher Kohlenstoffspeicher und spielt daher eine wichtige Rolle im Klimaschutz – pro Quadratmeter wird so viel CO2 gebunden wie auf der gleichen Fläche im Tropischen Regenwald! Deshalb fördern Land und Bund das Forschungsprojext ZOBLUC („Zostera marina als Blue Carbon-Kohlenstoffspeicher in der Ostsee“) bis 2030 mit 6 Millionen Euro. Das steht im starken Widerspruch zu der Politik des Bundesverkehrsministeriums!
Es ist vollkommen unverständlich, dass das Bundesverkehrsministerium mit seiner Bürokratie den freiwilligen Einsatz von Bürger*innen für den Ostseeschutz erschwert! Es wird dringend Zeit, dass sich CDU-Bundesverkehrsminister Schnieder einbringt, um diesen Schildbürgerstreich zu stoppen.
Wir hoffen sehr, dass die vielen Unterschriften zu einer kurzfristigen Lösung führen und dieses Jahr doch noch Seegras gepflanzt werden kann. Deswegen übersenden wir die Unterschriften nach der Marke von 5.000 Unterschriften. Der Appell kann aber weiterhin über unsere Internetseite www.sh-gruene.de unterzeichnet werden.“
Hintergrund:
Naturschützer*innen der Nichtregierungsorganisation Sea Shepherd, mehrere Tauchvereine und Wissenschaftler*innen vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel pflanzen in einem gemeinsamen Projekt neue Seegraswiesen in der Ostsee an. Der ehrenamtliche Einsatz der Taucher*innen für den Ostseeschutz musste in diesem Frühjahr plötzlich durch neue Gebührenforderungen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung des Bundes für die angebliche Nutzung des Meeresbodens gestoppt werden. Laut Medienberichten standen fünf- bis sechsstellige Gebührensummen im Raum, die kein Verein bezahlen kann. Seitdem gab es Brandbriefe ans Bundesverkehrsministerium und öffentliche Kritik von Verbänden, Wissenschaftler*innen und Medien. Trotzdem hat sich bis dato noch nichts in der Angelegenheit bewegt.
Presseinformation Nr. 013.2026 / 23.07.2026