Dazu sagt Lydia Rudow, Landesvorsitzende der GRÜNEN Schleswig-Holstein:
„Todeszonen und Blaualgenblüte – die aktuellen Daten aus der Ostsee und unseren Badeseen sind alarmierend! Dass die Klimakrise die sowieso schon angespannte Situation in unseren Gewässern verschärft, darf niemanden überraschen. Die Wissenschaft weist seit Jahren auf diesen Zusammenhang hin, genauso wie auf das Problem der Überdüngung.
Wir GRÜNE Schleswig-Holstein haben deshalb dafür gesorgt, dass die Landesregierung im Aktionsplan Ostseeschutz einen klaren Pfad zur Reduktion von Nährstoffeinträgen verankert. Im Dezember 2024 wurden zwischen Landesregierung und Landwirtschaft konkrete Zielvereinbarungen getroffen. Durch die Ausweitung des Messstellennetzes können wir die Umsetzung außerdem sehr viel besser überwachen.
Der aktuell schlechte Zustand unserer Gewässer muss ein Weckruf für das Landwirtschaftsministerium sein! Statt Düngeregelungen
zu lockern – wie zu Beginn dieses Jahres beim Thema Düngen auf gefrorenen Böden – müssen die Zielvereinbarungen des APOS nun konsequent umgesetzt werden.
Sollten die freiwilligen Selbstverpflichtungen aus der Landwirtschaft keinen Erfolg zeigen, müssen weitere Maßnahmen ergriffen werden. Wir GRÜNEN fordern in Schleswig-Holstein breitere Gewässerrandstreifen zum Schutz unserer Bäche, Flüsse, Seen und Meere und wir setzen uns ein für verursachergerechtes Düngerecht. Mit einer Hoftorbilanz wollen wir konkret die Betriebe in den Blick nehmen, die zu hohe Nährstoffbilanzen aufweisen, statt pauschal einzuschränken.
Der Bundesagrarminister Alois Rainer geht genau in die entgegengesetzte Richtung: Er hat in seiner im April vorgelegten Überarbeitung des Düngerechts, die Abschaffung der Stoffstrombilanzen angekündigt. Doch Rainer bleibt konkrete Maßnahmen schuldig, wie eine Reduktion der Nährstoffe erreicht werden sollen – denn eine Ausweitung des Monitorings alleine reicht nicht aus.
Wir wissen bereits, dass Deutschland seit Jahren die Grenzwerte der EU-Nitratrichtlinie reißt.
Wenn die Bundesregierung den Gewässerschutz nicht endlich konsequent priorisiert, droht ein weiteres Vertragsverletzungsverfahren. Die Folgen müssen die Tier- und Pflanzenwelt in der Ostsee und die Badegäste in Schleswig-Holstein tragen.“
Hintergrund:
An mehreren Ostsee-Stränden – etwa Sierksdorf, Pelzerhaken, Grömitz – hat das Land Badewarnungen aufgrund von Blaualgenentwicklung ausgesprochen.
Am Ostseestrand Kellenhusen wurde vom Kreis Ostholstein aufgrund der gesundheitsgefährdenden Blaualgenbelastung ein Badeverbot ausgesprochen. Auch mehrere Schleswig-Holsteinische Badeseen wie der Ratzeburger Küchensee sind von Badeverboten betroffen.
Die jüngst von Greenpeace durchgeführten Sauerstoff-Messungen entlang der Ostseeküste haben Todeszonen in einem erschreckenden Ausmaß in der Kieler Bucht und zwischen Eckernförder Bucht und Flensburger Förde dokumentiert.
Die Ursache beider Probleme – Blaualgenbelastung und Sauerstoffarmut – sind die deutlich zu hohen Nährstoffeinträge aus der Landwirtschaft in unsere Gewässer.
Verschärft wird die Situation durch die ungewöhnlich starke Erwärmung der Gewässer aufgrund des Klimawandels.
Denn je wärmer das Wasser ist, desto weniger Sauerstoff kann es aufnehmen und desto schlechter ist die Belüftung der unteren Wasserschichten.
Badewarnungen: https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/gesundheit-verbraucherschutz/badegewaesserqualitaet
Aktionsplan Ostseeschutz: https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/themen/kueste-wasser-meer/aktionsplan-ostseeschutz/downloads/16-punkte-plan_ostseeschutz.pdf?__blob=publicationFile&v=4
Zielvereinbarungen: https://www.schleswig-holstein.de/DE/landesregierung/ministerien-behoerden/IX/_startseite/Artikel2024/IV/241217_Zielvereinbarung/download_Zielvereinbarung.pdf?__blob=publicationFile&v=3
Presseinformation Nr. 014.2026 / 14.08.2026