Zum sogenannten Sozialappell vom Sozialverband, dem Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen und der SPD sagt Lydia Rudow, Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Schleswig-Holstein:
„Was Ulf Kämpfer fordert, ist nichts anderes als die Abkehr von Schleswig-Holsteins Klimazielen. Das kritisieren wir aufs Schärfste! Er verkauft dies als Entlastung für die Bürger*innen und tappt damit in die gleiche Falle wie Bundeswirtschaftsministerin Reiche: Nicht die erneuerbaren Energien sind das Problem, sondern die fossilen Energieträger entwickeln sich zunehmend zur Kostenfalle und zum Sicherheitsrisiko. Die aktuelle Situation zeigt, wie abhängig wir von Energieimporten sind. Die Gasspeicher in Deutschland leeren sich. In dieser Situation die Wärmewende auszubremsen, ist brandgefährlich. Ziel muss es sein, schnell eine energiepolitische Souveränität zu erlangen.
Als Deutschlands Energiewendeland Nummer eins bieten wir beste Voraussetzungen für den Umstieg von Öl- und Gasheizungen auf Wärmepumpen. Damit dies sozial fair gestaltet wird, fordern wir vom Bund:
– eine finanziell auskömmliche Förderung von Wärmepumpen
– regionale Strompreiszonen, damit Schleswig-Holsteiner*innen von den günstigen Erzeugerkosten bei uns im Land profitieren können
– Senkung der Stromsteuer für alle Verbrauchenden auf das europarechtlich vorgegebene Mindestmaß
– Preisschutz für Mieter*innen
– Reform der Modernisierungsumlage: CO2-Kosten zwischen Vermieter*innen und Mieter*innen fair verteilen
– Beibehaltung der Förderung privater PV-Anlagen, damit Haushalte unabhängig vom Einkommen an der Energiewende teilhaben können
– eine Beibehaltung der Beratungspflicht beim Einbau neuer Öl- oder Gasheizungen
– Einführung eines Klimageldes zur Rückverteilung des CO2-Preises an die Bürger*innen
Ich fordere Ulf Kämpfer auf, sich an der Seite der schleswig-holsteinischen Bürger*innen und Unternehmer*innen bei seiner Bundesregierung für einen energiepolitischen Kurswechsel einzusetzen, anstatt die Klimapolitik der Landesregierung in einem durchschaubaren Wahlkampfmanöver ins Visier zu nehmen!
Wer die Energiewende ausbremst, der schadet auch unserer Wirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen bilden in Schleswig-Holstein das Rückgrat der Energiewende. Sie schaffen Arbeitsplätze und ermöglichen über Bürgerenergie auch Einnahmen und Akzeptanz vor Ort. Die Vorschläge des Bundes treffen diesen Energiewende-Mittelstand besonders hart. Wir müssen unsere Wirtschaft vor der Politik der Bundeswirtschaftsministerin Reiche schützen.
Ich gebe Ulf Kämpfer in einem Punkt Recht: Durch die Pläne der Bundesregierung drohen zusätzliches Chaos und neue Kostenfallen. Statt die Klimaschutzziele in Schleswig-Holstein infrage zu stellen, sollte sich der WahlKÄMPFER daher lieber bei seiner Bundespartei dafür einsetzen, die energiepolitische Irrfahrt zu stoppen!
Wir müssen energiepolitisch unabhängig werden – und das besser heute als morgen. Aus klimapolitischer Verantwortung gegenüber der kommenden Generation, aus wirtschaftspolitischem Sachverstand und für eine Krisenresilienz.
Wir begrüßen das Engagement des Sozialverband Deutschland und des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen in Sachen Mieter*innenschutz, allerdings sollten die Verbände aufpassen, sich nicht vor den Karren des wahlkämpfenden SPD-Kandidaten Kämpfer spannen zu lassen.“
Hintergrund:
Parteiratsbeschluss 07.03.2026: Energiewende-Forderungs- und Thesenpapier.
Presseinformation Nr. 005.2026 / 11.03.2026
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