Gesundheit

Schleswig-Holsteins Krankenhäuser zukunftsfest bauen und Krankenhausinfektionen vermeiden

Bei der Keimkrise am UKSH in Kiel haben sich im letzten Jahr 31 Patient_innen  im Krankenhaus mit einem multiresistenten Keim infiziert. Bei drei verstorbenen Patient_innen kann ein Zusammenhang zwischen der Infektion mit dem Keim und der Todesursache nicht ausgeschlossen werden.

Der Keimausbruch wurde durch die bauliche Situation auf der betroffenen Intensivstation begünstigt. Expert_innen gehen davon aus, dass jährlich bundesweit  bis zu 30.000 Patient_innen an Infektionen sterben, die sie sich im Krankenhaus zuziehen. Das sind 10mal so viel Tote wie im Straßenverkehr. Doch während im Straßenverkehr zahlreiche Maßnahmen zur Unfallvermeidung getroffen werden, hinkt die Entwicklung bei der Vermeidung von Krankenhausinfektionen hinterher.
Daher darf es jetzt nicht nur darum gehen, eine Krise zu überstehen und dann zur Tagesordnung überzugehen.

Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen setzt sich dafür ein, dass die sogenannte „Keimkrise“ am UKSH zum Anlass genommen wird, Krankenhausinfektionen zukünftig noch konsequenter zu verhindern und zu bekämpfen, damit es nicht auch in anderen Krankenhäusern zu ähnlichen Situationen kommt.
Hierzu gehören weitere Maßnahmen im Bereich des Infektionsschutzes gegen multiresistente Keime (MRE).

Der Landesverband unterstützt die von der Landesregierung bisher unternommenen Schritte.
Weitere Schritte zur Vermeidung von Krankenhausinfektionen sind allerdings aus unserer Sicht nötig. Ein besonderes Augenmerk gilt den hierzu erforderlichen baulichen und personellen Voraussetzungen in den Krankenhäusern.
Der Landesverband fordert die Landtagsfraktion auf, sich für eine Überprüfung des Personalbedarfs insbesondere auf Intensivstationen und im Hygienebereich einzusetzen. Neue und bessere Hygienemaßnahmen werden ausdrücklich begrüßt. Das Personal muss jedoch auch in der Lage sein, die Hygieneregelungen einzuhalten.

Wir fordern weiterhin eine Konkretisierung der Verpflichtung zu Fortbildungs- und Schulungsangeboten in stationären Einrichtungen, aber auch bei ambulanten Pflegediensten.
Das  Ziel ist, durch eine Ausdehnung der Aktivitäten wie z.B. die Aktion „Saubere Hände“ Krankenhausinfektionen zukünftig zu vermeiden.
Nicht nur im UKSH, sondern grundsätzlich in allen Krankenhäusern, gehört die räumliche Ausstattung und Bauweise auf den Prüfstand. Wir brauchen z.B. zur Vermeidung der Übertragung von Krankenhauskeimen zusätzliche Einzelzimmer, insbesondere auf den Intensivstationen.
Andere Länder wie z.B. Norwegen haben hiermit gute Erfahrungen bei der Vermeidung von Krankenhausinfektionen gemacht.

Dies muss schon bei der Krankenhausplanung berücksichtigt werden. Für die Krankenhausplanung ist das Land verantwortlich.
Die Landtagsfraktion wird daher aufgefordert, sich bei der Aufstellung des nächsten Krankenhausplanes für eine stärkere Berücksichtigung der Prävention von Krankenhausinfektionen einzusetzen. Da der Krankenhausplan aktuell überarbeitet wird, ist jetzt der richtige Zeitpunkt dafür.

Die Erfahrung in der sogenannten „Keimkrise“ am UKSH hat auch deutlich gezeigt, dass die Finanzierung der Krankenhäuser eine Rolle spielt. Für die Finanzierung der Krankenhausbauten sind nach aktueller gesetzlicher Lage das Land und die Kommunen jeweils zur Hälfte verantwortlich. Vor Genehmigung des Baus und Zusage der finanziellen Förderung erfolgt eine umfangreiche Überprüfung, die die Bauten auf das für die medizinische Versorgung erforderliche Maß begrenzt.

Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen setzt sich dafür ein, dass zukünftig die Vermeidung von Krankenhausinfektionen sowie die demografische Entwicklung und die hieraus resultierende Art und Anzahl der Erkrankungen, die stationär behandelt werden müssen, bei der Planung und beim Bau berücksichtigt werden. Durch die Schwarz-Gelbe Vorgängerregierung sind die Investitionen des Landes für den Krankenhausbau um 10 Mio. Euro pro Jahr gekürzt worden.
Hierdurch hat sich die ohnehin schon angespannte Lage weiter verschärft.
Die Landesregierung hat einen Infrastrukturbericht für das Land  vorgelegt. Hieraus geht hervor, dass sich zusätzlich zum Universitätsklinikum UKSH bei den Krankenhäusern in Schleswig-Holstein in den letzten Jahren ein Investitionsstau in Höhe von ca. 554 Mio. Euro aufgebaut hat. Betroffen sind geplante und für die medizinische Basisversorgung dringend erforderliche Krankenhausbauprojekte wie z.B. das Diakonissenkrankenhaus und das St. Franziskus Hospital in Flensburg, die Zentren für Integrative Psychiatrie in Kiel und Lübeck, die Imland-Klinik in Rendsburg, die AMEOS-Klinik in Heiligenhafen, die Regio-Kliniken in Pinneberg, die Klinik Preetz, die Fachklinik Hesterberg, das WKK Brunsbüttel oder das Friedrich-Ebert-Krankenhaus in Neumünster.

Durch das Infrastrukturprogramm IMPULS 2030 soll der Investitionsstau in Schleswig-Holstein Schritt für Schritt abgebaut werden. Hiermit ergibt sich für die Krankenhäuser eine klare Perspektive für die Zukunft. Wir begrüßen die gemeinsame Finanzverantwortung von Land und Kommunen. Wenn die Finanzierung der Bauten gesichert ist, muss durch die Art des Baus stärker auf die Vermeidung von Krankenhausinfektionen geachtet werden.
Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen erwartet, dass dies sowohl beim Bau des UKSH als auch beim Bau anderer Krankenhäuser beachtet wird.
Die Keimkrise am UKSH sollte nicht isoliert betrachtet werden. Expert_innen warnen seit Jahren vor dem Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Antibiotika und der Zunahme von Resistenzen und Krankenhausinfektionen. Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen fordert einen zielgerichteten Antibiotikaeinsatz in der Humanmedizin und den Ausbau der Patienteninformation. Wir wollen den Antibiotikaeinsatz in der Nutztierhaltung im Rahmen der DART-Strategie (Deutsche Antibiotika-Resistenz-Strategie) insgesamt deutlich reduzieren und den Einsatz von Reserveantibiotika in der Nutztierhaltung stoppen. Außerdem fordern wir eine Überprüfung, ob die Forschung im Bereich der antimikrobiellen Substanzen ausreicht und eine angemessene Förderung.
Die Niederlande haben schon vor Jahren nach einer schweren Krise mit Todesfällen durch den Krankenhauskeim MRSA weitreichende Konsequenzen gezogen. Der Krankenhausbau wurde auf die Vermeidung von Krankenhausinfektionen ausgerichtet. Zusätzlich wurde die „Search and Destroy-Strategie“ eingeführt. Wir fordern auf Bundesebene weitere wissenschaftliche Forschung über die Vorteile der „Search and Destroy-Strategie“ und über neue Screening-Maßnahmen.
Ein weiterer Gesichtspunkt ist der Zugang zu Antibiotika und der Einsatz, der sich nicht ausreichend an aktuellen medizinischen Erkenntnissen orientiert. In einigen europäischen Ländern sind Antibiotika ohne medizinische Verordnung frei verkäuflich. In diesen Ländern haben Antibiotika-Resistenzen besorgniserregende Dimensionen angenommen.
Das Ziel muss daher sein, den Antibiotikaeinsatz national wie auch international auf das medizinisch erforderliche zu begrenzen und die weitere Ausbreitung von multiresistenten Erregern länderübergreifend zu bekämpfen. Hierzu sind auf europäischer Ebene erste Maßnahmen ergriffen worden.
Der Landesverband von Bündnis 90/Die Grünen unterstützt die Aktivitäten der Grünen/EFA-Fraktion hierbei und fordert sie auf, sich auf europäischer Ebene auch weiterhin konsequent für eine Verbesserung der länderübergreifenden Zusammenarbeit beim Kampf gegen Antibiotikaresistenzen einzusetzen.

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