Kundgebung: Sexarbeit ist Arbeit – gegen ein Sexkaufverbot nach nordischem Modell!

Wann:
9. November 2019 um 14:00
2019-11-09T14:00:00+01:00
2019-11-09T14:15:00+01:00
Wo:
Europaplatz Kiel
Europapl.
24103 Kiel
Deutschland

Aufruf zur Kundgebung: Sexarbeit ist Arbeit – gegen ein Sexkaufverbot nach nordischem Modell!

Am 15.10. 2019 wurde durch Initiierung von Leni Breymeier ein fraktionsübergreifender Arbeitskreis gegründet, der sich mit einem Sexkaufverbot auseinandersetzen soll. Die SPD Baden-Württemberg hat bereits beschlossen, sich für die Einführung des sogenannten „nordischen Modells“ auszusprechen. Damit soll der Kauf von sexuellen Dienstleistungen in Zukunft verboten werden.
In Schweden gibt es dieses Gesetz seit 1999. Wissenschaftliche Untersuchungen haben gezeigt: Die Sexarbeit wird nicht abgeschafft. Stattdessen werden die Arbeitsbedingungen schlechter und die gesellschaftliche Ausgrenzung von Sexarbeitenden steigt. Die Debatte ist bevormundend, wird emotional geführt und bezieht Sexarbeiter*innen nicht ausreichend mit ein. Das Gesetz verletzt das Selbstbestimmungsrecht. Solch ein Gesetz kann nicht feministisch sein. Es wird nicht differenziert zwischen Menschen, die von Ausbeutung betroffen sind und Menschen, die sich frei dazu entscheiden, den Beruf auszuführen. Es wird jegliche Form sexueller Dienstleistung verboten, auch beispielsweise sexuelle Assistenz für Menschen mit Behinderungen. Zwar soll das Gesetz die Sexarbeiter*innen nicht treffen, doch in der Realität führt eine Bestrafung von Freier*innen zu Bespitzelungen von Sexarbeiter*innen durch Polizist*innen und sorgt dafür, dass die Sexarbeit an unsicheren Orten durchgeführt wird. Das Gesetz verstärkt die bereits vorhandene Stigmatisierung und Ausgrenzung und sorgt für unsichere Arbeitsbedingungen. Sexarbeit gehört nicht verboten, nur weil es nicht dem konservativen Weltbild entspricht. Anders als in Schweden gilt Sexarbeit in Deutschland seit 2002 als anerkannter Beruf. Das heißt, es gelten auch Arbeiter*innenschutzgesetze. Das würde sich mit dem Verbot wieder ändern. Aufsuchende Sozialarbeit und Beratung wird erschwert oder unmöglich gemacht.
Und: Der Zugang zu Betroffenen von Menschenhandel wird noch schwieriger.
Wir sind der Meinung, dass es statt eines Verbots eine Neugestaltung der Prostitutionsgesetze braucht. Wir sind der Meinung, dass eine Gesetzesänderung wissenschaftliche Erkenntnisse von Fachberatungsstellen und Berufsverbänden einbeziehen muss mit Positionen der Sexarbeitenden.
Wir veranstalten eine Kundgebung am 09.11.19 um 14 Uhr auf dem Europaplatz. Lasst uns zusammen auf die Straße gehen und für die Rechte von Sexarbeiter*innen einstehen!

Unterstützer*innen:
– BesD e.V. (Berufsverband erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V.)
– Sexarbeit ist Arbeit. Respekt!